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Information Speed Fencing Stand Ende 2015

in Speed Fencing - Fechten mit dem softstick 12.12.2015 17:51
von BAOffice • 1.202 Beiträge




Ein paar Worte zum aktuellen Stand, Ende 2015:

Speed Fencing ist eine BudoAthletische Sportart, bei der der Erfinder-Entwickler mit Freude festgestellt hat, das diese Disziplin auf der Wettkampfebene insgesamt sehr gut angenommen worden ist.

Schaut man vor allem den Nachwuchs beim Speed Fencing an, dann erkennt man sehr schnell eine eindeutige Tendenz.

Das wettkampfsportliche Niveau von SF hat sich, seit der allerersten Vorstellung dieser Sportdisziplin nach den aktuellen Regeln, sehr positiv entwickelt.

Wenn man den letzten Wettkampf 2015 (so besonders viele Turniere gab es ja leider noch nicht...) angesehen hat - immer wieder fallen einige "Senioren" auf, die nicht einfach drauflosprügeln, wie man das im typischen Kinder-Jugendbereich noch allzuoft sieht.

Da haben einige durchaus schon was vom „Fechten“, von Taktik und Punkt-Strategien verstanden.

Aber auch das ist wohl eine Frage des Trainings und der richtigen Heranführung an die ganze Sache.


Ein Beobachter sprach mich beim Nikolaus-Cup 2015 an und spekulierte darüber, ob man nicht besser einen härteren Stock nehmen sollte.
Anstatt die typische Weichschaum-Nudel.

Im Zuge des Gesprächs habe ich dazu ein paar allgemeine Erläuterungen gemacht und auch klargestellt, dass die Soft-Stick-Fighting-Disziplin weniger auf Vorlagen aus Fernost basiert. Sondern viel eher auf klassischen "europäischen" Stockfechten-Kampfkünsten, beispielsweise aus Frankreich.

Nur wer mal ganz genau hingehört hat, dem ist aufgefallen, dass die amtliche Wettkampfsprache beim Speed Fencing tatsächlich Kommandos in französischer Sprache beinhaltet.

Die ursprünglich hochentwickelten (deutlich härteren) "Originale" aus Europa gibt es zwar heute auch noch, aber sie führen eher ein Schattendasein.
Weil allgemein meistens immer nur nach Asien geschielt wird.
Das oft Bessere an "Kampfkunst" direkt vor der eigenen Haustür ist unbekannt oder wird leichtfertig ignoriert.



THEMA HÄRTERER STOCK
Gerne wird beim Kampfsport, auch bei „Waffentechniken“, mit dem Verweis auf REALITÄT argumentiert.

Nun – WAS bitteschön ist „realistisch“ ?

Beim „Kämpfen“ ganz allgemein.

Oder auch beim „sportlich geregelten“ Kämpfen. Mit oder ohne „Waffe“.

Bei Stockangriffen und -abwehren MIT HARTEN WAFFEN, also auch Marke Holzstöckchen oder vergleichsweise in der Stich- und Schnitt-Version Abteilung Gummi-Messer – da geht es REALISTISCH nicht ohne eine massive Schutzausrüstung.

Sprich Körperpanzer, Helm, Handschuhe, usw. usw. usw.

„Realistisch“ ist ein (Wett)Kämpfer also einzupacken und einzuwickeln wie ein Astronaut oder eine fette Made, damit ihm bloss nichts passiert.

Genau das kennt man eigentlich schon vom neuzeitlichen WTF-Kukki-Taekwondo und die einschlägige Schaumstoff-Ausrüstungs- und Körperverpackungsindustrie ist vermutlich sehr dankbar für die richtigen Kampfregeln.

Beim beliebten Sachverhalt „Selbstverteidigung“ ist es nicht anders gelagert.
Die Gummiholz-Fraktion aller Sportvereine und Security-Profis lässt grüssen.

Schade nur, dass das Ganze so schön UNREALISTISCH bleibt – WEIL – draussen auf der Strasse, wie die Selbstverteidiger das Szenario immer gerne formulieren – da hat man bei realistischen Angriffen meistens die elektronische Punktkampfweste grad nicht dabei und auch selten einen Schutzhelm auf.
Der olympische Tiefschützer-Eierbecher fehlt Dir untenrum tagsüber sowieso.


WAS ist also „realistischer“ ?

Im Falle Stockkampf ?

A. Zwei sorgsam eingewickelte Michelin-Männchen hauen kräftig aufeinander drauf...

…oder

B. Der (Stock)Kämpfer lernt Kämpfen, sprich Fechten, weitestgehend so, wie er auch im normalen Leben rumläuft. Also Hose und T-Shirt reicht weitestgehend schon aus.


Die hier nachfolgend zu sehenden Fotos zeigen die Kampfausrüstung 2010 für eine Art Urversion von Speed Fencing.

..


Bei den 1.BUDOATHLETIC GAMES, 2010 in Bayern gab es erstmals eine Kategorie für den Stockkampf mit Kurzstock.
Der Stock war bereits eine Version in weich, allerdings etwas härter als die heute verwendeten Schaumstoff-Nudeln.

Der damalige, mit der praktischen Durchführung, Beauftragte, hatte keine grosse sportliche Phantasie, sondern hielt es für sinnvoll, die Wettkämpfer 2010 mit einer massiven Panzerausrüstung auszustatten.

Die war aus seinem System eines Langstockkampfes entlehnt und entspricht in etwa der Ausrüstung für Kendo, japanisches Schwertfechten.

Man kann sich vorstellen, wie praxistauglich die ganze Sache tatsächlich ist.
Die Ausrüstung ist teuer, An- und Ablegen sehr zeit-aufwändig und für einen grösseren Wettkampfbetrieb als reines Leihequipment völlig unpraktikabel, auch unter dem Aspekt Hygiene.

Und das alles, damit „realistisch“ und einigermassen verletzungssicher drauflosgeschlagen werden kann ?


Unschlagbares Argument für Realisten:
Eine weiche Waffe kann -ohne jeden Aufwand- mit voller Wirkung verletzungsfrei eingesetzt werden.

Ein „Gefühl“ für den „Ernstfall“ entwickelt man auf diese Art und Weise aber sicherlich schon ein wenig weiter.
Das ist ganz einfach eine (längerfristige) Trainingssache, würde ich behaupten.


Speziell für Kinder-Jugendliche, aber sicherlich nicht nur für die – bietet das Softstick-Fechten ein paar schnell erkennbare Vorteile:

Ängste, Hemmungen können mit dieser Art zu kämpfen überwunden werden.
Also gerade körperlich oder seelisch „schwächer“ zu nennende Akteure werden möglicherweise gut zum Zuge kommen.

Die weiche Waffe ist ein „Gleichmacher“, d. h. Kraft, Schlagstärke, typische Überlegenheitskriterien spielen keine so grosse Rolle, wenn jemand sich schlauer, schneller und geschickter zu bewegen weiss.

Vergleichsweise ist bei typischen Hand-Fuss-Kampfarten (Karate, Taekwondo usw.) eine lange und gründliche Bewegungsausbildung und ÜBUNG erforderlich, um wirklich gegen „Stärkere“ ankommen zu können. Jeder wirklich fachkundige „Trainer“ weiss das ganz genau.


„Üben“ ist aber noch nicht „Training“.

Training ist definiert als Üben mit dem Ziel der kontinuierlichen Steigerung des Leistungsstandes.
Sprich, man soll gezielt aufbauend etwas dazu-lernen, am besten körperlich wie geistig.


Im Grunde genommen kann in der Disziplin SF fast jeder „Anfänger“ OHNE grosse Übungspraxis sofort anfangen zu kämpfen.

Eintrichtern von Grundtechniken oder komplexen Übungsformen ist nicht notwendig.
Aber selbstverständlich sind auch bei SF Üben und gezieltes Trainieren sehr hilfreich und sinnvoll.


Was man zur Diskussion über „Realität“ noch anmerken muss:

Eine Schutzausrüstung, überhaupt eine Ausrüstung (beim Sport), beispielsweise ebenso ein typischer Box-Handschuh, beeinflusst und verändert die gesamte Kampfführung sehr wesentlich.

Das ist grundsätzlich den Regeln geschuldet und Sport macht sich zunächst immer an den Regeln fest.

Regeln in der Realität = bei jeder Art „richtiges“ Kämpfen – die sehen deutlich anders aus und sind hier weiter gar kein Thema.

JEDE Art von „Kampfsport“, ob mit oder ohne Waffe, simuliert nur eine jeweils eigene Art von Realität.



THEMA WETTKAMPFREGELN SPEED FENCING
Das vom Urheber Gilbert Kapkowski vorgestelle Reglement, einschliesslich des Einsatzes von Schiedsrichtern bzw. Punktrichtern, hat sich bislang als durchaus praxistauglich erwiesen.

Allerdings ist es nicht in Stein gemeisselt und Änderungen-Verbesserungen sind durchaus denkbar.

Aus diesem Grund wurden, zuletzt beim Nikolaus-Cup 2015, einige Modifikationen ausprobiert.
In der Wettkampfpraxis funktioniert so ein Testlauf besser als einer auf blosser Trainingsebene.


Änderung 1 – es gibt keinen „Kampfleiter“
Der Versuch, erstmals ohne einen klassischen Referee, Hauptkampfleiter auf der Matte auszukommen, war recht erfolgreich.

Ganz ohne einen KR, Obmann auf der Matte, Fechtbahn, geht es vielleicht noch nicht in jedem Fall.
Der sorgt im Zweifelsfall für etwas Ordnung, aber beim Nikolausturnier war zu sehen – es geht im Prinzip wohl auch komplett ohne.


Änderung 2 – akustisches Signal für die Unterbrechung des Kampfes
Da haben wir zunächst experimentiert – mit einem „Start“-Signal.
Es reicht praktisch aus, dieses Signal höchstens einmal = zu Beginn des Kampfes, zu geben.

Die akustische Hupe für die sofortige Unterbrechung zur Trefferwertung blau oder rot, dürfte als Standard sehr sinnvoll sein.

Was im ersten Praxistest damit vielleicht nicht optimal geklappt hatte – die Abstimmung des STOPP-Signals mit den eingesetzten Punkt-Wertungsrichtern und der offenen Anzeige Treffer BLAU oder ROT.

Es liegt einfach daran, dass hier 3 verschiedene Faktoren auf einmal zum Tragen kommen
= 1. das Stopp-Kommando, weil die Jury einen Treffer gesehen hat?, 2. die Auslösung der Stopp-Hupe, 3. die Auslösung der Leuchtanzeige Treffer Blau oder Rot

Genau darüber habe ich mir aber schon einige Gedanken gemacht, um den ganzen Ablauf weiter zu verbessern. Es hängt sehr stark an verlässlichen und EINFACHEN technischen Lösungen.

Wenn, wie zu erleben war, etwas elementar vom Funktionieren einer Internetverbindung abhängt...oder ein Bediener zwei Sachen gleichzeitig machen muss, aber eher umständlich...dann wird auf dem Gebiet noch etwas geändert werden müssen.


ÄNDERUNG 3 – Treffererfassung durch die Jury
Das bekannte „Blickwinkelproblem“ möchte ich an dieser Stelle nicht umfassend thematisieren.
Vielleicht schreibe ich an ganz anderer Stelle zum diesem Thema noch einmal einen aufschlussreichen Spezialartikel.

Es gab in Hinsicht auf das „Blickwinkelproblem“ nämlich einen 2015 weltweit publizierten Fall erster Güte und zwar mit einer bösen Kamerafrau, die einem armen Flüchtenden (angeblich) ein Bein stellte. In der Weltpresse, äh - Lügenpresse ?, wurde das hochgekocht hoch 3.

Eine Weile später interessiert sich für sowas kein Schwein mehr, bei kurzzeitig sehr aufregenden Kampfrichterentscheidungen auf den Matten ist es ja meist ganz genau dasselbe damit.

Ich habe mir bei dem genannten Fall mal die Mühe gemacht, intensiver zu recherchieren.
Das Ergebnis ist verblüffend und sollte (auch) jedem Kampfrichter zu denken geben.
Sowie insbesondere denjenigen Vereinszuschauern, die glauben, nur sie hätten alles ganz richtig gesehen und ihre eigene Videokamera natürlich auch.


Beim Nikolaus wurde ich von einem Jurymitglied darauf angesprochen, ob es nicht sinnvoll wäre, auch auf der anderen Seite der Matte Wertungsrichter zu haben.

Diese Überlegung ist grundsätzlich natürlich nicht von der Hand zu weisen.
Allerdings habe ich mir bei diesem Thema noch viel gründlichere Gedanken gemacht, die in Folge das allgemeine Wertungsproblem beim Speed Fencing ggf. deutlich verbessern könnten.

Das Problem ist nämlich nicht nur der Sichtwinkel oder die oft sehr grosse Geschwindigkeit einzelner Aktionen, die für eine weitestgehend „faire“ Wertung zu berücksichtigen sind.

Ich bin ziemlich sicher – auch auf diesem Gebiet hätte ich eine wirksame „Verbesserung“ zu bieten, die beim nächsten Praxistest gezeigt werden kann.

Aber das will ich nicht an dieser Stelle hier umfangreich erläutern.
Trainerin Dorothea Kapkowski will es zunächst beim Heimtraining in ihrer Sportgruppe in Iserlohn einmal ausprobieren.

Ansonsten ist es eine Sache für den nächsten gemeinsamen Fachlehrgang – falls sich dort genügend Trainer und Sportler vom Fach einfinden und beteiligen.

Hierfür bitte einfach die laufenden Ausschreibungen-Veranstaltungsinformationen abwarten.



AUSBLICK SPEED FENCING 2016
Nachdem 2015 bedauerlicherweise keine Deutsche Meisterschaft BudoAthletic zustande zu bringen gewesen ist, ist das Thema für 2016 ein wenig skeptisch zu betrachten.

Eigentlich sollten 2015 nämlich auch erstmals die 1.Deutschen Speed Fencing Meisterschaften über die Bühne gehen.
Aber das Turnierpersonal und die Interessen der Vereine gehen offenbar zunehmend in andere Richtungen.

Bisher hat so ziemlich jeder Speed Fencing Wettkampf bewiesen, dass diese Sportart eine Zukunft haben sollte.

Beim Nikolaus 2015 war Speed Fencing die zahlenmässig am stärksten besetzte Wettkampfklasse in der Kategorie „Sparring“.

Erstaunlich, aber wahr und irgendwie noch nicht mal überraschend.


Liebe Kampftrainer,

Gebt Euren „Vereinskindern“ zu Hause mal die SF-Fechtnudel in die Hand und lasst sie beim Training ganz alleine machen.

Und dann arbeitet mal eine Weile mit Euren Talenten und schickt sie zu einem offiziellen Wettkampf.

Danach reden wir weiter.



Ich hätte die dringende Bitte an ALLE Trainer, Sportler und Vereine – insbesondere die, die bislang nicht besonders aktiv beim Speed Fencing als Wettkampf mitgemacht hatten:

Beteiligt Euch an geplanten Wettkampf-Events und auch den Trainingscamps oder Fachlehrgängen, die dazu evtl. noch ausgeschrieben werden.



NACHSATZ
Was beim Nikolaus-Speed Fechten durchaus positiv ins Auge gefallen ist – allgemein hielten sich alle Beteiligten an die DBL-Regularien in punkto offizielle Ausrüstung und vorgeschriebene Farbkennzeichnung.

Was einigen aber wohl noch gar nicht aufgefallen ist.
Beim Speed Fencing gibt es KEINE GÜRTEL, weder weisse, farbige oder schwarze.

In Ermangelung einer genau definierten Bekleidungsvorschrift darf man ja gerne, z. B. einen herkömmlichen „Taekwondo-Anzug“ zum Fechten tragen.

Aber bitte (in Zukunft) den GÜRTEL komplett weglassen, wenn man die Fechtbahn betritt.
Denn der bringt die einheitlich geregelte Farbkennzeichnung nur wieder durcheinander.

Abgesehen davon könnte es vielleicht extrem peinlich sein, falls ein „Schwarzgurt“ plötzlich gegen einen „Weissgurt“ verliert.

Falls sowas auch noch zu NULL passiert, dann sind endgültig alle grossen Traditionen im Eimer.
..


zuletzt bearbeitet 12.03.2016 12:16 | nach oben springen

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