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#1

Dazulernen für Kampfrichter - Fortsetzung

in Sparring - Wettkämpfe - Turniere 26.05.2015 13:35
von BAOffice • 1.202 Beiträge

EINE Beobachtung seitens der Turnierleitung beim DBL-CUP BAYERN 2015:


TAEKWONDO-Juniorenklasse weiblich

Wettkämpferin A trifft Wettkämpferin B mit einem Kick deutlich sichtbar frontal am HALS. Wettkämpferin B dreht sich weg.

Schutzreaktion oder Trefferwirkung – zunächst nicht zweifelsfrei feststellbar.

Der Treffer erzielte offenbar eine gewisse Wirkung, die durch den derzeit bei der Jugend vorgeschriebenen safety-Voll-Fuss-Schutz abgemildert wurde.

Nicht ganz eindeutig erkennbar war, ob der TRITT zum HALS direkt gezielt war.
Oder seitens Wettkämpferin A aus der Angriffsbewegung relativ unvermeidbar zustande kam.

Reaktion beim Coach Wettkämpferin A = Lautes Jubeln über einen "Kopftreffer"

Reaktion beim Kampfleiter = Referee gibt nachfolgend einen Zusatzpunkt für Wettkämpferin A

Reaktion beim Coach Wettkämpferin B = keine erkennbare

Reaktion beim Beobachter aus der WK-Leitung = er schreibt später diesen Artikel



Fassen wir mal zusammen - was grundsätzlich auch für einige andere Wertungs-Aktionen bei Turnieren (2015) diskutabel gewesen hätte sein können !?...

...es fehlt allgemein bisweilen an wirklich präziser Regelkundigkeit


1. Ein "Kopftreffer" war das nicht...und ein "Zusatzpunkt" schon gar nicht

2. Tatsächlich zutreffend WÄRE mindestens eine "Ermahnung" wegen "Unsauberkeit",
ggf. sogar ein Punktabzug gewesen – und zwar wegen einer -zumindestens ansatzweisen- „Regelwidrigkeit“

Vor allem bei Junioren-Wettkämpfern sollte man als Referee auf Sicherheit gehen und bei "gefährlichen" Techniken SOFORT entsprechend sanktionieren

3. Für ALLE Beteiligten wäre es ratsam, sich im Umfeld oder Vorfeld etwas genauer mit den geltenden Wettkampf-Regeln zu beschäftigen.



Dies ist umso wichtiger, weil bei „knappen“ Begegnungen schon ein-zwei Kleinigkeiten bzw. „Fehlwertungen“ entscheidend sein können.

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass auf diesem Gebiet oft mehr Glaube und Meinung als grundlegendes Fach-Wissen wirksam wird.

Mindestens in einem anderen Fall eines Kampfes auf derselben Matte war das sehr deutlich zu erleben.
Bei passender Gelegenheit mittels Videoaufnahmen und Fotoserien ist der Sachverhalt gut einsetzbar für eine intensive KAMPFRICHTER-FORTBILDUNG.

Nur – WER kommt dann wirklich zwecks VERBESSERUNG und AUSBILDUNG alles zusammen ?

Also vielleicht EINMAL pro Sportjahr ?

Leider sieht man es aktuell beim zweiten geplanten TRAINER- und KAMPFRICHTERLEHRGANG in STUTTGART im Mai 2015,
wer und was bei solchen Aktionen tatsächlich aktiv zusammenkommt.

Ausgerechnet die „Kampftrainer“ und -so wie es ausschaut- die mit ihren vielen pampers-Tigern „traditionell“ schon gar nicht.

Kampfrichter – Prüfer – aber auch schon „nur-Trainer“ (zu Hause...) - die wirkliche Kommunikations- und Weiter-Bildungs-Bereitschaft ist durchaus begrenzt.


Man verzeihe dem Berichterstatter an dieser Stelle folgende Prophezeiung:

ICH wüsste jetzt schon, wie ein Kampfleiter üblicherweise eine solche KRITIK kontert.
Obwohl sie von mir sehr „konstruktiv“ gemeint ist, zum DAZULERNEN nämlich.

Es ist im oben beschriebenen Fall KEIN typisches „Blickwinkelproblem“ und auch KEIN „Meinungsproblem“ im einmal, vor etlichen Jahren, so wundersam erlebten Rüüüddiii-Stil....
...“jaaaaa, iiiich habe das aaaaber soooo gesehen“

= damals ging es um sagenhafte und dutzendweise Trefferpunkte mehr für den Kämpfer aus dem eigenen Verein.
Die genauso der unglaublich kreativen (Vereins-)Phantasie eines Chef-Schiedsrichters entsprangen
wie ein paar Jahre später die vielen schwarzen Dane und die neuen Weltmeister seines Vereins.


Die bisweilen mangelhafte (genaue) REGELKUNDIGKEIT fällt leider auch bei anderen Gelegenheiten ein wenig ins Auge.

Wenn man sich den objektiven Blick dafür bewahrt hat.

Und genau darum geht es für jeden Kampfrichter = OBJEKTIVITÄT und REGELKUNDE


Bitte die aktuellen WETTKAMPFREGELN TAEKWONDO lesen
Die gültige Version 7.0 ist derzeit in Englisch verfasst.

Die Taekwondo-Regeln entsprechen grundsätzlich den WETTKAMPFREGELN für KTAE-KONTAKT
Diese Version ist in Deutsch geschrieben.


Dort ist explizit folgende Regel formuliert:

„HINTERKOPF, HALS sowie das GESICHT dürfen nicht direkt angegriffen werden !“

Bei den TKD-Regeln (ETF-IBC-DBL) lautet die Regel folgendermassen:

„Attack...especially to the neck, back of the head, ...as well as any attack with the fist to the face/head is prohibited (= illegal attack without intention to score)“

Das diesbezügliche Reglement ist insofern identisch bei beiden Sparringskategorien.


Bei Erstellung der KTAE-Regeln wurde der (verbotene) Angriff zum GESICHT sehr deutlich herausgestellt.

„Gesichtstreffer“ = mit dem Fuss - sind zwar bei beiden Sparringskategorien prinzipiell möglich und vielleicht nicht immer vermeidbar in einem Kampfablauf.

Definitionsgemäss kommt es aber auf die (erkennbare) ABSICHT eines Wettkämpfers an, das Gesicht zu treffen.

Was bei wirklich harten und gezielten Treffern u. U. schwerste Wirkungen haben kann (insbesondere an Nase, Lippenbereich, Auge).

Beim Angriffsziel HALSBEREICH liegt das genauso.
Der Hals ist als Verletzungsbereich evtl. extrem mit Risiken behaftet (Genick, Kehlkopf, Halsschlagader), weil dieser Bereich beim Menschen eine natürliche Schwachstelle darstellt.


Lange vor den Gründerzeiten der ETF, also bereits Anfang-Mitte der 90er-Jahre wurde bei den Iserlohner Turnieren „SAUERLAND-CUP“ ein Taekwondo-Reglement verwendet, welches sich absichtlich NICHT an allen Vorlagen der Wettkampfregeln der Weltsportorganisation WTF orientiert hatte.

Genau das war eine der „Gründungsinitiativen“ für sogenanntes ETF- oder Euro-Taekwondo – sich nämlich NICHT zwanghaft an wenig plausible Regeln aus Fernost zu halten, insbesondere auch Wettkampf-Regeln.

Die Einführung der farbigen Karte für Punktabzüge BLAU oder ROT ist ein Beispiel für Abweichungen von WTF-Sparrings-Regeln und zwar ein sehr praxistaugliches und plausibles.

Beispielsweise sollte seit den Iserlohner Turnierzeiten regulär auch der typische „Tieftritt“ unmittelbar anders gehandhabt werden, als in allen WTF-Turnierkreisen üblich.
Seit Urzeiten bis offenbar heutzutage ist dabei alles beim Altvertrauten geblieben.
Sprich – verbessert haben die Kollegen ihre Regeln nicht, allenfalls in bisweilen unwichtigen Punkten etwas verändert.

Die feinen Unterschiede zwischen der Formulierung
„Attacking below the waist“
und
„Intentionally attacking below the waist“
kann man besser mal direkt bei einem Kampfrichter-Lehrgang zum Thema machen.

Fragen dazu ?


Thema Kopftreffer
Von Anfang an wurde der HALS als „Trefferzone“ ausgeschlossen und das wurde später ab der ersten Version der schriftlichen ETF-Wettkampfregeln konsequent beibehalten.
Für die BudoAthletischen und die Regeln der DBL direkt übernommen.

Es gab (und gibt...) klare, auch „gesundheitliche“, Gründe, die koreanischen TKD-Monopol-Regeln eben NICHT einzuhalten.


Vergleiche dazu die letzte, aktuelle Version der (koreanischen) WTF-Sparringsregeln von 2012, online veröffentlicht 2015, zum Datum dieses Artikels.

ZITAT

„ Seite 24
2 Permitted areas
2.1 몸통부위: 몸통호구로 보호되는 부위로서 손기술과 발기술의 공격이 허용된다. 단, 척추
부위는 공격할 수 없다.
2.1 Trunk: Attack by fist and foot techniques on the areas covered by the trunk protector are permitted. However,
such attacks shall not be made on the part of the spine.
2.2 머리: 쇄골 위 부위. 발기술만 허용된다.
2.2 Head: The area above the collar bone. Only foot techniques are permitted.


ZITAT ENDE


Im originalen WTF-Reglement ist seit jeher der HALS = Kopf oberhalb des Schlüsselbeins (collar bone) als kompletter Trefferbereich für Fuss-Techniken freigegeben.
Seit Anfang der 70er-Jahre ist das so und bis heute hat sich daran nichts geändert.

Bemerkenswerterweise ist in diesen Regeln keinerlei spezielle Regelung für den HINTERKOPF getroffen worden.
Genaugenommen sind also ALLE Fussangriffe auf den Kopf-Hinterkopf-Hals erlaubt.

Der Rest der Interpretation „korrekter Treffer oder nicht“ ist reine Definitionssache.

Jenseits von modern erscheinenden Sensorelektroniken und Videobeweisen kommt dann immer noch ein „Hauptkampfrichter“ zum Tragen.
Und der entscheidet dann selbstverständlich zuverlässig richtig.
Wie international nicht unüblich.

Weil es im „Taekwondo“-Sport in Wirklichkeit keinerlei objektive „Geschichtsschreibung“ gibt, sondern lediglich verbandsmässig oder national gepflegte „Berichterstattung“, sind frühere diverse temporäre Regeländerungen (= bei der WTF, insbesondere bei international angelegten Turnieren) wohl selbst den wenigsten Fachleuten noch in der Erinnerung.

In den 80er-Jahren wurde zeitweise einmal der „Abwärtstritt“ = axe kick, naeryo chagi bei Wettkämpfen „verboten“. Zumindestens bei einer WTF-WM war das so.

Offenbar erschien er einigen Funktionären plötzlich zu gefährlich.
Denn im Regelfall zielt dieser Kick von oben auf den Kopf mit möglicher Stauchungsgefahr der Wirbelsäule.

Wie diese, nur zeitweise, Regelmodifikation überhaupt zustande kam, entzieht sich meiner Kenntnis.
Üblicherweise war es ein unerforschlicher Ratschluss von Weisen aus dem Land der Morgenstille.

Die ihre Kampfregeln für das neuzeitliche Taekwondo ursprünglich aus Vorlagen von viel eher „traditionell“ zu nennenden Systemen (Karate, Boxen) „zusammengestrickt“ hatten.

Und später weiter daran zu basteln wussten und trotzdem alle glauben zu machen, dahinter würde sich eine „ca. 2000 Jahre alte Tradition“ verbergen.


ETF und die BudoAthletische Neuorientierung DBL interessiert sich für (wechselnde-unplausible-politische-wirtschaftliche) Vorschriften aus Süd- oder Nord-Korea genau so viel, wie für den Sack Reis, der im benachbarten China vielleicht ab und zu umfällt.


Kampfrichter-Wettkämpfer-Betreuer, die sich für „Taekwondo“-Regeln etwas eingehender interessieren, werden feststellen, dass diverse „nationale“ oder verbandsmässige Reglements von WTF-Gruppierungen in einigen Punkten (z. B. Hinterkopf) bisweilen etwas präziser sind als das, ansonsten, sehr detaillierte Original der WTF.

Genaugenommen muss man dann allerdings feststellen, dass sich sehr viele „WTF“-Angehörige in Wirklichkeit gar NICHT an die WTF-Regeln halten.

Ausser bei einer WTF-WM, Olympischen Spielen oder wenn ein sonstiges Turnier direkt unter der Oberhoheit eines massgeblichen WTF-Funktionärs abläuft.

Ansonsten ist festzustellen...KAMPFRICHTER, egal wo und unter welcher Flagge sie auftreten, sollten die geltenden Wettkampfregeln möglichst genau kennen (können).

Die WTF-Regeln für „Poomsae“ umfassen 40 Seiten, die für „Sparring“ mehr als 80 Seiten.

Die Verkomplizierung eines „Sportes“ wird dort deutlich besser dokumentiert als praktische Hilfestellung für die Kampfrichter und Akteure gegeben, die auf Basis dieser Regeln schnelle und möglichst präzise, objektiv und fair agieren sollen.

Plausibel ist es z. B. nicht, wenn unwichtige Nebenregelungen über ganz genau auszuführende Handgesten oder kuriose Massnahmen zu Videobeweisen breitgetreten werden – während elementar wichtige Regeln zu Treffern nur pauschal oder gar nicht festgelegt sind.


SPORT aller Art – macht sich in erster Linie an den REGELN dafür fest.


Bitte mal genau hinschauen - „ETF“TAEKWONDO (Sparring) ist tatsächlich genau dasselbe wie KTAE-KONTAKT-Sparring.

Das entscheidende „gemeinsame“ Element ist – die Zone KOPF und HALS ist als Trefferzone eindeutig definiert worden.

Und zwar ganz klar in die Zielrichtung = Gefährliche Treffer aller Art grundsätzlich unwahrscheinlich und eher selten zu machen.

Das absichtliche, auch das „unkontrollierte“, Treffen kann man nämlich durchaus verbieten und entsprechend sanktionieren.

ICH (als gelegentlicher Kampfleiter...) finde, speziell im Junioren-Bereich sollte man lieber mal zu früh „abmahnen“, als vielleicht zu spät.

Die REGELN TKD und KTAE unterscheiden sich ansonsten substanziell tatsächlich nur beim Kriterium „Schutzausrüstung“ - und dort im Bereich JUNIOREN derzeit sogar überhaupt nicht.


Speziell beim „Taekwondo“ gelten allgemein und weltweit leider die unterschiedlichsten Regeln, auch beim Wettkampf-Sparring.
Die unergründlichen Vielfältigkeiten der „Regeln“ jenseits der WTF, also hin zu den ITF-Gruppierungen oder noch vielen anderen „Verbänden“ - das sprengt allerdings den Rahmen meiner Ausführungen hier.


„Unsere“ Regeln sind üblicherweise kaum 5% so lang oder komplex, wie die Wettkampfregeln aller anderen.

Die Wettkampf-Regeln (Taekwondo), die der Berichterstatter sämtlich persönlich verfasst hat und die seit dem Jahr 2000 für den Bereich ETF und seit ca. 2 Jahren für die DBL gelten, sollten von Anfang an folgendes berücksichtigen:

- möglichst kurz gefasst und auf das Wesentliche beschränkt, auf maximal 2-3 Seiten

- plausible, praktische Regeln für die tatsächliche Wettkampfpraxis

- relativ einfache Verständlichkeit für Kampfrichter-Wettkämpfer-Publikum



Ganz erfolglos war diese Überlegung nicht.

Denn beispielsweise die vergleichsweise sehr geringe Verletzungsquote, eine offenbar relativ moderate Quote bei „Fehlbewertungen“ und die weitestgehende Vermeidung von blossem „Taktieren um Punkte“ beweisen andauernd, dass es im sportlichen Sinne funktioniert.

Grundlegend erforderlich ist allerdings echte Fachkenntnis über die Regeln – vor allem die der KAMPFLEITER und der PUNKTRICHTER.

Im Bereich Technik (FORMEN) liegt es prinzipiell nicht anders.


Zum Schluss noch folgende Anmerkung:

Wer sich (immer noch...) „WTF“ (oder andere TKD-Gimmicks...) auf seinen Anzug draufpappt und unhinterfragt einer Linie folgt, die mehr in die Richtung merchadising und Propaganda Fernost geht – der hat weder was vom ursprünglichen „EURO“ Taekwondo verstanden – noch versteht er das Wesentliche des neuen „BudoAthletischen“ Weges.

Liebe Leute – WIR machen bei uns wesentlich mehr „Vollkontakt“ als diverse Heinis, die ihre Kämpfer mit Panzerplatten, Kunststoff-Schützern, Helmen rundum sauber einpacken...
...und beim ersten vermeintlichen „Kopftreffer“ aufspringen, Protest schreien und einen neuzeitlichen unterhaltsamen Videobeweis inszenieren.

Vergleichsweise beim Fussball oder anderen Tret-Sportarten wären die handelsüblichen TKD-Ungereimtheiten kaum durchsetzbar.
Das Publikum wäre dann noch viel begeisterter.

Jeder echte „Vollkontaktler“ nimmt den Elektronik-Socken-Zirkus Marke WTF sowieso nicht ernst. So, wie er sich zwischenzeitlich wohl bleibend entwickelt hat.

Kampfrichter, Wettkämpfer, Trainer, alle Sportler, die (bei uns...) eigentlich „nix“ verstanden haben oder überhaupt verstehen wollen, also auch nicht deutlich NACH AUSSEN HIN auf ihrem Anzug – die sollten ihr Heil dort suchen, wofür sie die „Werbung“ auf der Jacke-Hose laufen.

3 Buchstaben und was zum Draufnähen haben „wir“ selber im Programm.
..


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