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#1

Bruchtest - Kann man das "üben" ?

in Technische Disziplinen - FORMEN - BRUCHTEST 22.04.2013 20:57
von BAOffice • 1.197 Beiträge

Ich habe diesen Beitrag offen ins Forum geschrieben, obwohl ich erst überlegt hatte, diese Problematik in den geschlossenen Teil für Trainer-Kampfrichter-Prüfer zu setzen.
Aber dabei ist eigentlich nichts zu verbergen, denn speziell die "Prüfungsaufgabe Bruchtest" geht ja eigentlich jeden Sportler (in etwa ab Grüngurt) direkt an.

Insofern sollte auch klar sein, dass die Aufnahmen vom hier gezeigten TKD-Sportler nicht vorrangig mit ihm persönlich zu tun haben, sondern es um was ganz Allgemeines geht.

Bei den vielen Bruchtests, die ich bei Prüfungen oder Wettkämpfen schon gesehen habe, fallen bei einigen Gelegenheiten 2 Dinge immer wieder auf:

1.
Trotz eigentlich "guter" Technik oder Schlagkraft mangelnde Konzentration, fehlende Präzision oder Geschwindigkeit
und kein konsequentes Anwenden der typisch "klassischen" (Taekwondo)-Prinzipien

2.
Entweder Selbstüberschätzung ODER Nervosität-Zögerlichkeit-Unsauberkeit bei der Ausführung



Ein relativ einfacher Kick in nicht überaus grosser Höhe auf ein handelsübliches Holzbrett 2-2,5cm sollte für einen trainierten erwachsenen Sportler eigentlich ein ziemlicher Klacks sein.

Um es mal so zu sagen.

In früheren Zeiten waren beispielsweise bei Dan-Prüfungen Bretter mit ca. 4cm Stärke usus und auch bei den Farbgurt-Prüfungen nicht unbedingt selten.
Heutzutage ist der level allgemein etwas runtergeschraubt, was auch Sinn macht, weil kaum ein Sportler mehr speziell "Abhärtung" betreibt oder sich wirklich als knallharter Bruchtestexperte auf dieses Teilgebiet festlegt.

Bruchtests bei Kindern und Jugendlichen halte ich dabei für ein Grenzgebiet.
Das Mindeste ist, dass die Betreffenden dafür wirklich "reif" und gut vorbereitet sind und den Bruchtest jenseits von reinen Papierbrettchen selbst "wollen".
Um ein Erfolgserlebnis im besten Sinne möglich zu machen.

Aber auch heutzutage und speziell bei Gürtelprüfungen sollte man vor allem demonstrieren können, dass man


a) präzise treffen kann und b) eine gewisse Kraft punktgenau zur Entfaltung bringt


Und zwar zu so ziemlich jeder Zeit und an jedem Ort - nicht nur in der vertrauten Heimathalle oder im Kreis der befreundeten Bretthalter.

Bei gezieltem und gekonnten Vorgehen bricht ein Brett sehr schnell (oder der Gegner wäre gut getroffen bis k. o.) - um mehr geht es erstmal nicht bei der Sache.


Hier beispielgebend die Analyse eines aufschlussreichen Bruchtests = ein Pflichtbruchtest anlässlich eines Dan-Vorbereitungs-Kurses (in Bayern 2013):


Bild VERSUCH 1 zeigt einen deutlich verunglückten Fehlversuch, der genaugenommen unerklärbar ist - lediglich mit Ausrutschen oder Übernervosität zu begründen.
Mit etwas mehr Pech hätte dieser "Tieftritt daneben" einen der Brett-Assistenten unschön verletzen können. Sowas habe ich sogar schon bei Dan-Prüfungen erlebt.


Bild VERSUCH 2 dokumentiert, dass die "Technik", Fusshaltung, Blickrichtung, Auftreffpunkt usw. beim Ausführenden genaugenommen korrekt scheint.
Auch die Energie-Drehung wirkte nach meinem Eindruck äusserlich gut.Das Brett wurde trotzdem nicht zerschlagen.


Bild VERSUCH 3 zeigt, dass der Bruchtest beim dritten Anlauf gelingt.
Streng genommen wäre ein 3.Versuch bei einem Pflichtbruchtest regulär nicht zulässig gewesen, aber dazu muss ich anmerken, dass Regeln das eine sind
- die Erfahrung (eines Prüfers oder Trainers) ist das andere.

Im vorliegenden Fall hat nach meiner persönlichen Einschätzung der Ausführende, der durchaus ein guter Techniker ist, offensichtlich ein wenig Adrenalin gebraucht und beim 2.Versuch wohl noch nicht "pumpen" können. Der Rest ist Auslegungssache-Ermessenspielraum und wer eine Weile kompetent als Prüfer oder prinzipiell auch als Kampfrichter "Technik" bewertet, der wird vermutlich verstehen, was ich meine.


Bei einer Dan-Prüfung mit fest definierten Regeln = (selbstgewählter) Bruchtest muss gelingen, damit die Prüfung erfolgreich absolviert werden kann,
sollte JEDER sehr genau, sehr präzise und auch sehr motiviert an diese Aufgabe herangehen. Auch der jeweilige Trainer kann und sollte dabei hilfreich sein.

Die Ausgangsfrage war:
Bruchtest - kann man das üben ?

Ich meine nein und ja.

Der Bruchtest ist eine Momentleistung. Es gibt immer eine Möglichkeit, dass dabei was schiefgeht, das haben sogar ganz grosse Meister ihres Fachs immer wieder gezeigt.

Aber die wesentlichen Prinzipien, um einen Schlag oder Tritt (auf ein hartes Objekt) zu optimieren und erfolgreich zu machen - die kann man durchaus sehr gut üben.

Genau sowas macht nämlich den "Meister" = etwas mehr tun, etwas mehr können oder etwas mehr wissen - als andere.


Vielleicht gibt´s von fachkompetenter Trainer-Seite Anregungen, wie man "Bruchtests" tatsächlich praktisch "üben" könnte.
Beispielsweise bei speziellen Lehrgängen.

Da wir natürlich nicht immer alle für sowas zusammenkriegen, ist das möglicherweise ein Thema für einen Spezialkurs, z. B. beim SOMMERCAMP ?
Nur mitmachen muss man dann halt auch bei sowas.
...


zuletzt bearbeitet 22.04.2013 21:00 | nach oben springen

#2

RE: Bruchtest - Kann man das "üben" ?

in Technische Disziplinen - FORMEN - BRUCHTEST 23.04.2013 09:23
von Weetzen • 54 Beiträge

Das Thema Bruchtest kann durchaus eine interessante Sache beim Sommercamp sein. Bei mir im Verein ist dieses Thema eigentlich nur bei höheren Kup-Prüfungen
mal etwas ausführlicher dran, d.h. der Prüfungsteilnehmer muß da ordentlich in die Recherche gehen, ansonsten dümpelt dieses Thematik nur vor sich hin:

Auszug aus unserem vereinsinternen Theorie- Wissen- Fragebogen zu Kup-Prüfungen:
2. KupTheorie Schüler/Kinder bis 13 Jahre : koreanische /deutsche Bezeichnungen der
Techniken , Wettkampfregeln Sparring & Bewertungskriterien Formenwettkampf
Theorie ab 13 Jahre wie bei Schüler/Kinder zusätzlich :
Anatomie: Skelettmuskulatur - nenne mindestens 8 Muskeln bzw. Muskelgruppen
Was weißt Du über Laktat? Was sagt ein Laktattest in Bezug auf die körperliche Fitness
aus ? Was sind Myokine ?
Ernährung: 1. Die Harvard –Pyramide (Harvard Eating Pyramide) 2. Säuren und Basen
Haushalt.
Muskelkraft: Wie werden die 3 nachstehenden Kraftarten definiert- Maximalkraft-
Kraftausdauer-Schnellkraft- ? Wie würde ein Ranking nach der Wichtigkeit für den
Taekwondo- Sportler aussehen?
Sinn und Zweck vom Bruchtest ? Welche Faktoren führen zu einem erfolgreichen
Bruchtest ? Welche mathemathische Fromel ist ausschlaggebend für das Gelingen eines
Bruchtests ? Welche Verletzungsgefahren bringt ein Bruchtest mit sich?
Was weißt Du über „Schmerzunempfindlichkeit durch Drogen“ z.B. Tilidin?
Nachweis von mindestens 4 Lehrgängen und 5 Turnierteilnahmen .

In unseren Reihen, IBC/ETF, sind doch Spezialisten die dazu eine Lehrgangseinheit stricken könnten. Auch einen finalen Wettkampf/Wettbewerb beim Sommercamp könnte ich
mir dazu gut vorstellen.


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#3

RE: Bruchtest - Kann man das "üben" ?

in Technische Disziplinen - FORMEN - BRUCHTEST 24.04.2013 21:41
von Jürgen Ober • 61 Beiträge

Ich bin der Meinung, wenn eine Technik sauber und präzise auf eine Handpratze ausgeführt wird,
sollte der Bruchtest auch klappen. Fehlversuche stammen meistens von zu grosser Nervosität, Selbstüberschätzung oder einfach der Angst vor dem Brett. An die Zeiten mit den 4 cm "Schinken" oder 2 x 3 cm erinnere ich mich auch noch, womöglich noch feucht gelagert.
In unseren Reihen wird der Bruchtest bereits zum 8. Kup gefordert, natürlich in angemessenem Maßstab, um einfach die Überwindungskraft frühzeitig zu stärken.

Was ich des Öfteren beobachten kann ist, dass noch grosse Fehler bei den Bretthaltern selbst gemacht werden, auch bei höher Graduierten, vom Pratzenhalten ganz zu schweigen.
Da muss sich der Ein- oder Andere nicht wundern, wenn die Finger getroffen werden, egal ob beim Bruchtest, oder Pratzenhalten.

Vielleicht wär ja auch mal ein kleiner Lehrgang denkbar über richtiges Pratzen- und Bretthalten ?
Ich bin der Meinung, ein guter Pratzenhalter sollte mehr schwitzen, als der Aktive.
Mit einem schlechten oder passiven Pratzenhalter macht das Training wenig Freude und zwei schlechte Bretthalter können auch die Ursache sein, dass so manches Brett nicht bricht.

Gruss Jürgen


zuletzt bearbeitet 24.04.2013 21:43 | nach oben springen

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