Herzlich willkommen im BUDOATHLETIC FORUM GERMANY
#1

Boxen verabschiedet sich...

in NEBENBEI BEMERKT - NEWS und ANMERKUNGEN am Rande 02.12.2012 16:46
von BAOffice • 1.181 Beiträge

Am 27.11.2012 geisterte eine dpa-Meldung durch´s Land = eher eine hintergründige Randnotiz für "Fachleute", aber immerhin eine mit einer ziemlichen Tragweite...

Da heisst es über die diesjährigen "Amateurbox-Deutschen Meisterschaften" wie folgt:
ZITAT
"Bei den Titelkämpfen heißt es auch, Abschied zu nehmen. Letztmals werden deutsche Meisterschaften mit Kopfschutz ausgetragen. Im Mai nächsten Jahres, wenn die medizinische Kommission des IOC Grünes Licht gibt, ist der Kopfschutz weltweit passé"
ZITAT ENDE

Da schau an !!!

Einstmals wurde der Kopfschutz als (medizinisch) notwendiges Allheilmittel beim Amateur-Boxen und dann auch beim Kickboxen und anderen Kampfkünsten vorgeschoben.

Nun kommt es plötzlich genau andersherum - meine Voraussage - die "medizinische Kommission" des IOC dürfte mit Sicherheit alles abnicken, was von den bestimmenden Kreisen "politisch" gewollt ist. Die Sportartikelindustrie steht dabei momentan vielleicht nicht dahinter. Eher schon die Medienindustrie.

Mal so rum gedacht - Ein Box-Profi wie Klitschko als Lord Helmchen - das stelle man sich mal vor...

Einige aus der ganz alten Kämpferriege werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass ab den 70er-Jahren ein Semi-Leicht- und Vollkontakt Papst namens Georg F.Brückner mit der Firma TopTen und den dort vertriebenen Kopfschützern Massstäbe in punkto Sicherheit setzen wollte. Und eine Weile wohl auch konnte, bevor dieser Markt an die richtigen Profis aus der Sportartikel-Vermarktungsszene gefallen war.

Beim TKD kam der segensreiche Kopfschutz übrigens erst im Zusammenhang mit der "olympischen Anerkennung" auf, praktisch wohl als Pflichtvorgabe des IOC. Ursächlich nämlich aufgrund eines Todesfalls bei einem TKD-Schwergewichts-Fight in den USA in den 80er-Jahren. Damals ging es den "Experten" zunächst vor allem darum, in Verbindung von weicher "Matte" und einer vor allem am Hinterkopf stark gepolsterten "Mütze" Kopfverletzungen, sprich ein Hirntrauma aufgrund von reaktionslosen Stürzen vermeiden zu helfen.

Genau das war nämlich bei besagtem bedauerlichen Todesfall damals passiert = der Kämpfer ging schwer k.o. zu Boden und schlug mit dem Kopf ungebremst hart auf.

Die ursprüngliche Zielsetzung ging beim TKD dann sehr schnell unter, aber die "Mütze" = immer schöner designte sportliche Helme und auch "Kampfwesten" im Star Trek oder Klon-Krieger-Look konnten prima ab der Basis aufwärts breit vermarktet werden. Mit WTF-Logo drauf immer noch ein bisschen teurer, das ist das einzig "Sichere" daran.

Der "Sicherheitsaspekt" ist allgemein eher fraglich geblieben, denn die hauptsächlichen bzw. auch die tatsächlich extrem gefährlichen Arten einer Schlagwirkung beim Boxen wie auch bei einem (echten) TKD-Vollkontakt-Kampf verhindert der Helm in Wirklichkeit nicht. Oftmals engt er sogar den Sichtwinkel ein, was in der Praxis meist viel gefährlicher ist, als die Befürworter von Helmen zugeben möchten. Der typisch moderne "offene" Helm wiederum schützt weder das Gesicht, die Nase, die Augen oder das Kinn, wie z. B. einige unschöne Unterkieferbrüche beweisen, mit einem Schlag oder Tritt von unten.

Na prima - nach jahrzehntelanger ganz anderer Sichtweise nimmt BOXEN jetzt Abschied vom Kopfschutz.
Und es will auch nicht mehr "Amateurboxen" heissen, sondern folgt auf der ganzen Linie der Linie der allumfassenden Weltsportregierung des IOC.

Noch ein weiteres Zitat aus der o. g. dpa-Meldung:
"Deshalb müssen die nationalen Verbände ihre einst ganz auf das Amateurboxen ausgerichteten Satzungen ändern. Die Bezeichnung Amateure wird im selben Zug aus allen Verbandsnamen getilgt"

Das frühere "Amateur"-Boxen soll dann "Olympisches Boxen" heissen, der ganze Rest besteht aus Halb-Profis und Voll-Profis.

ICH MEINE - klar, wenn man "ehrlich" ist, dann ist auf die Birne kloppen ohne Helm deutlich medienwirksamer, also einträglicher.
Und üblicherweise wechseln die "Amateure" (beim Boxen, aber auch anderswo...) sehr schnell zu den besser bezahlten "Profis".

Mal sehen, wo bei dieser Helm-Vorgabe bzw. -Abgabe beim Boxen später Kickboxen bleibt oder noch besser das Taekwondo, welches sich ja bereits "olympisch" nennt und allen Vorgaben bestens angepasst ist.

Denn vermutlich brauchen die TKD-Fuss-Punkt-Kämpfer noch viel weniger einen Helm als ihn die Amateur-Boxer je gebraucht hätten.

Ausser der Helm ist elektronisch "verkabelt", damit die lustige neue Kukkidings-Regel wieder abgeschafft werden kann = jeder Betreuer hält SOFORT bei er ersten 3-4 Punkte-Kopftrefferwertung seine Protestkarte hoch, weil dieser Kopftreffer natürlich unmöglich stimmen kann.

Trotz elektronischem Bauchschnickschnack kann also von der Jury wieder prima diskutiert, geändert oder auch mal grob besch...en werden, so wie das bei dieser Art Wettkampfsport auf Weltebene wohl immer noch gerne an der Tagesordnung ist.

Ob es beim Amateur- sorry olympischen- Boxen mit der Punkt-Wertung -ohne Helm- besser läuft, sei mal dahingestellt.
Beim Kick-Boxen ist das leider auch nicht immer ganz einfach, "realistisch" zu werten.

Interessant wäre allenfalls noch das "Gutachten" und die belegbaren Argumente der "medizinischen Kommission" zu dem ganzen Thema.
Nur vermutlich versteckt sich eine Meldung darüber noch mehr als die zitierte dpa-Meldung, die eigentlich nur belegt, wo es längst langgeht.
...

nach oben springen

BUDOATHLETIC FORUM GERMANY - e-mail budoathletic@t-online.de
Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: MartinSX
Besucherzähler
Heute waren 9 Gäste , gestern 19 Gäste online

Forum Statistiken
Das Forum hat 759 Themen und 2205 Beiträge.

Heute waren 3 Mitglieder Online: