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#1

Selbstverteidigung - Realität und Illusion

in Selbstverteidigung 24.05.2012 13:35
von BAOffice • 1.181 Beiträge

Liebe Sportfreunde,

an dieser Stelle könnt Ihr über das Thema SV diskutieren = realistisch betrachtet oder auch als "Trainings- und Wettkampfdisziplin".
Ich - für meinen Teil - habe parallel eine Plattform zu diesem Thema im internen Diskussionsforum für Mitglieder eingerichtet.

Dort kann eine Diskussion weniger "offen" stattfinden, als hier an dieser Stelle. Was ich für sinnvoll halte.

Ich persönlich werde zu den eher brisanten Themen auf diesem Gebiet vorzugsweise nur im internen Forum was schreiben oder kommentieren.
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zuletzt bearbeitet 04.06.2012 19:47 | nach oben springen

#2

RE: Selbstverteidigung - Realität und Illusion

in Selbstverteidigung 04.06.2012 19:54
von BAOffice • 1.181 Beiträge

„Realistische“ Selbstverteidigung

Das ursprünglich tragendste Thema für fast alle, die mit "KAMPFSPORT"-Training aktiv angefangen haben - war einmal die SELBSTVERTEIDIGUNG.
Lieber Sportfreund - erinnerst Du Dich noch daran, dass genau das vielleicht ? DEIN persönliches Motiv gewesen ist, Dich in Deinem Verein anzumelden ?

Was kommt für die allermeisten "Kampfsportler" relativ schnell dabei heraus ?

Hyong, Tul, Poomse, Kata, Bruchtest-Trixx oder Freestyling, Wettkampf mit elektronischer Astronautenschutzverpackung.
Gelernt wird vielleicht auch was über so bedeutende Dinge wie Wing Bumm Schlapkido, Bodenkampf, israelische Geheimtechniken, Anti-Terror-Streetfighting, die Spezialausbilderlizenz für Personenschutz von der international anerkannten Organisation B.U.D.D.I und es gibt viele neue Drachen- und Tigerabzeichen ab 2 Jahre aufwärts.

Bei einigen endet es mit dem ungeheuren Drang nach einer Sparrings-Goldmedaille auf dem Olymp oder auch nur wegen einer bei der Bonsai-Pampers-Weltmeisterschaft von Gross-Meister Money in Kleinkleckersdorf.

Dazu gibt´s im Versandhandel die passenden "Lehrbücher", Holzmesser, Gummipistolen und natürlich schicke Klamotten, Handschuhe, Holzpuppen, das jährliche Bruce-Lee-Gedächtnisposter usw., usw.
Manchmal muss für eine Gürtelprüfung auch der "Notwehrparagraph" auswendig gelernt werden. Wäre ja noch schöner, wenn den nur ein paar Juristen kennen würden.

X-"Verbände" und Schlaumeier verbreiten würdevoll meisterliche Gürtel-Grade oder drucken schicke Urkunden, feiern sich selbst als die Besten.
Wen auch sonst ?

Etwa doch immer nur die unbesiegbaren Shaolin-Mönche ?
Ein Schelm, der dabei an´s Geschäft denkt.

WT, WC, Brazilian Tanzen oder -Würgen oder pänomenale immer wieder neue "Systeme", die noch nicht einmal Chuck Norris kennt, verbreiten sich in Windeseile im Land und über den ganzen Planeten.
War gestern noch Women´s Defense die ultima ratio, dann war es vorgestern Billi´s Navy Camp und übermorgen ist es vielleicht Zumba Warriors, Katzenbergers Catfight System oder sowas in der Art.

Alles, alles dafür - sich möglichst niemals "verteidigen" zu müssen. Oder wenn schon, dann eben "erfolgreich".

Die Wirklichkeit: Nirgendwo anders im "Kampfsport" wird mehr Illusion verbreitet als beim Grundlagen-Thema "Selbstverteidigung".

Meist ist es vor allem ein gut organisiertes Absahnen mit diesem ganzen "Combat"-Murks, der in der Szene feilgeboten wird. Realistisch ist in 99,99 % aller Fälle eigentlich nur eins - man kann sicher sein, es nutzt sicherlich irgendjemand andauernd, aber garantiert eher nicht dem Normalverbraucher, der sich damit "nur" zu "verteidigen" gedenkt.

Ich will nicht übermässig lästern, aber in fast jedem einzelnen "Stil", der immer besser ist als alle anderen, gibt es nicht nur die üblichen Trixxer und Heilsbringer, die vor allem kleine Kinder und naive Gemüter zu beeindrucken wissen.

Nein - da gibt es bisweilen auch überall den typischen (glatzköpfigen) Ex-Militärausbilder oder den (angeblichen) Polizeibeauftragten und Personenschützer-Profi, der selbst meist so mucki-gut trainiert aussieht, dass er schon beim Hingucken jeden Gegner umnietet. Dazu hat dieser Selfmade-Selfdefense-Fachmann einige passende "Techniken" im Ärmel, die vor allem bei jedem Laien gut wirken und auch bei diesem oder jenem Lehrgang überaus gut ankommen.

Denn nicht nur ein Anfänger, nein, auch der herkömmliche Kampfsportler, ist im Regelfall "verliebt in die Technik" und lässt sich genau deshalb leicht beeindrucken.
Vor allem von geschickten Tricks.
Übrigens im nächsten Regelfall auch von Durchschlagskraft, scheinbarer oder echter Härte und vor allem von martialischem Auftreten.
Einige ewige Gesetze gelten auch hier.

Ich persönlich habe verhältnismässig nicht lange gebraucht, um zu begreifen, dass "Selbstverteidigung" rein gar nichts mit "Kämpfen" zu tun hat beziehungsweise in den seltensten Fällen eine Übereinstimmung besteht. Andere bilden sich oder andere fast ihr Leben lang zu "Kämpfern" aus, aber meist auf weichen Matten und mit angenehmen Publikum tun sie das oder sie machen sogar eine echte Zauberkunst und Religion daraus.

An ein paar technischen-physikalischen Prinzipien und dem Vorhandensein eher komplexer werdender Bedrohungen in der sogenannten zivilisierten Welt kommt man nicht vorbei.
Das zu erklären, würde diesen Beitrag hier sprengen. Und auf die professionellen Begriffe "Verhältnismässigkeit" oder "Eigensicherung" gehe ich auch erstmal nicht ein.

Ich will zunächst ein bisschen das Gehirn bemühen, bevor mir einer gar vorschnell Fragen zur besten Technik oder Taktik stellt.

Im Gegensatz zu ALLEN anderen tätowierten Profis oder professionellen Propheten der Szene (...und ich habe in mehr als 40 Jahren Kampfsportleben eine Menge kennengelernt) würde ich meine Weisheiten und Erkenntnisse jetzt entweder nur noch für sehr viel Geld verkaufen...oder eben besser gar nicht.

Ein Verkaufsrenner würde das sowieso nicht werden, denn "realistische" Selbstverteidigung hat -kurioserweise- eine gewisse Ähnlichkeit mit wirklich "realistischem" Kämpfen
= es ist im Kern eher unspektakulär und nur sehr begrenzt was für die Zuschauertribüne.


Zum EINLESEN hier bitte klicken:

Sehr interessante Ausführungen eines JuJutsu-Lehrers

PDF-Text von Gilbet Kapkowski über moderne Bedrohungen

PDF-Text von Gilbert Kapkowski über einen "Notwehrfall" und was dabei herauskam


Wen es interessiert - der Originalpressetext "Frau stirbt nach Verfolgung eines Handtaschendiebs" liegt bei mir nicht auf dem Server,
genau wie die Presseartikel "Fall Dominik Brunner", "Supermann aus dem Giftschrank" und "Iserlohn-Westergraben - Schlägerei mit 2 Türken ?"

Diese Texte kann man, als fortbildungswilliger -seriöser- Interessent, bei mir zunächst nur direkt erhalten.

Gilbert Kapkowski
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#3

RE: Selbstverteidigung - Realität und Illusion

in Selbstverteidigung 05.06.2012 09:53
von Weetzen • 51 Beiträge

Hallo Gilbert, das sind klare und wahre Worte. Der Link von dem JuJutsu Teacher ist wirklich interessant und lesenswert. Bei Gelegenheit könntest du mir mal den Presseartikel "Supermann aus dem Giftschrank" schicken. Ich gehe davon aus das es um Tilidin & Co geht.
Gruß
Peter

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#4

RE: Selbstverteidigung - Realität und Illusion

in Selbstverteidigung 05.06.2012 11:11
von BAOffice • 1.181 Beiträge

Genau - diesen aufschlussreichen Artikel über die Modedroge zum "Entschmerzen" hatte ich seinerzeit von Dir erhalten.

Die Problematik = Angreifer alkoholisiert oder extrem und ABSICHTLICH schmerzfrei unter Drogen ist noch ein Spezialgebiet, welches bei "herkömmlichen" SV-Kursen oder bei den meisten Trainern vermutlich ziemlich im Dunkeln liegt. Genau wie andere diffuse Gefährdungen, die aber sehr praxisrelevant werden können - bis hin zum Tod des Opfers und dem politisch gewollten Zerreden der Verantwortung des Täters. Je nach Gesamtlage in diesem Land oder anderen.

Der allgemeine Level liegt hingegen immer noch auf der Ebene Grossmeister Beck´s Bier und die traditionelle Stöckchen und Gummimesser-Ausbildung mit 103 festgelegten landespolizeianerkannten Verteidigungstechniken. Ehrliche Meinung dazu - diese Kindertrainer, die das für den Schulhof immer noch für ihre kleinen und grossen Weiss- und Gelbgurte verbreiten, möchte ich mir vergleichsweise NICHT in einem richtigen "Handwerk" vorstellen.
Als Maurer, Schlosser oder Malermeister wären die vergleichsweise nur eine öffentliche Katastrophe. Das Einzige, was dort gut gemalt wird, sind die Urkunden, die sich prima verkaufen lassen. Denn darum geht´s ja unter dem Strich bei den meisten Verteidigungskünsten - und immer wieder um Verdummungs-Ideologien Marke Fernost.

Wie schon angedeutet - (auch) der bundesweit bekannte Fall Dominik Brunner ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es besser ganz und gar NICHT macht.
Es gab (in Iserlohn) einen ganz ähnlich verlaufenden "Notwehrfall", hier bei mir um die Ecke, der aber bei weitem nicht so medienwirksam hochgekocht worden war. Sehr interessant bei "Selbstverteidigungsfällen" sind immer 2 Dinge = Nummer 1 - was passiert tatsächlich, auf der Strasse, im U-Bahnhof, in der Kneipe oder im heimischen Wohnzimmer. Nummer 2 = wie denken und "urteilen" die Fachleute, z. B. Juristen, Mediziner und noch ein paar andere dafür zuständig gemachte Experten SPÄTER darüber.

Die Kampfsportler und eben auch deren Trainer, interessieren sich hauptsächlich für das Problemfeld Nr. 1.
Das ist allerdings nicht unbedingt verkehrt, denn Ziel Nummer 1 ist es in jedem Fall = ICH komme möglichst heil aus der Sache raus

Meine Einstiegstexte dienen erstmal dem Zweck, einige Gedankenarbeit zu leisten.
Insbesondere die Thematik = Opfer WEHRT sich und wird dann (in der Nachbearbeitung der Straftat...) zum Mitschuldigen oder gar zum Haupttäter - die sollten alle, die an "realistischer" SV interessiert sind, anhand einiger Fälle, gründlich analysieren.

Das ist nämlich insbesondere für "Kampfsportler" ein nicht zu unterschätzendes Feld, denn dort steht immer die "Technik" im Vordergrund.
Kampfsportler gelten zudem prinzipiell in der Nachbearbeitung als so eine Art ausgebildeter "Profi", der das alles hätte kommen sehen müssen und 100 pro richtig zu re-agieren hat. Wofür hat er schliesslich seinen schwarzen Gürtel erhalten und macht Werbung für sich als Pumse-Europameister ?

Problemfeld 2 (s.o.) wird leider nur selten oder nur am Rande behandelt; meistens sind auf diesem Gebiet deutliche Fehleinschätzungen ALLER Beteiligten an der Tagesordnung, egal was der jeweilige SV-Fachmann daherfaselt. Ich kann es nur so nennen, denn jede Ausbildung, jede Technik versagt in den allermeisten Fällen in dem Sekundenereignis, in dem die richtige Entscheidung zu treffen wäre.

Die "Automatismen", die ein trainierter Kampfsportler für den kleinen bis echt harten grossen Notfall dringend entwickelt haben sollte, müssen von vornherein auf Problemfeld 2 erweitert werden, aber das werde ich an dieser Stelle nicht näher erläutern.
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